Der Ochsenherz Gärtnerhof und seine Geschichte                  

Karotten

Der Ochsenherz Gärtnerhof ist ein  demeterGemüsebaubetrieb in Gänserndorf, der bis 2010 als direktvermarktender Marktfahrbetrieb auf Wiener Märkten präsent war. Seit 2011 ist der Ochsenherz Gärtnerhof Teil der ersten österreichischen CSA – „GELA Ochsenherz“, die auf seine Initiative hin gegründet wurde. Diese Neuausrichtung ermöglichte es dem Betrieb, den arbeitsintensiven, kleinteiligen Gemüseanbau beizubehalten, der unter marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht weiter aufrechtzuerhalten gewesen wäre.

Der Ochsenherz Gärtnerhof produziert auf eine Fläche von etwa 4 ha eine große Vielfalt von über 60 verschiedenen Gemüsearten (siehe Gemüsekalender), dazu auch noch Kräuter und etwas Beerenobst. In Hinkunft soll schrittweise auch eine Versorgung mit Obst dazukommen. Dazu wurden im vergangenen Herbst etwa 150 eigens veredelte Obstbäume ausgesetzt.

Als Gemüse sind praktisch ausschließlich samenfeste Sorten in Verwendung, viele von ihnen werden im Betrieb weitervermehrt und weiterentwickelt. Damit ist der Ochsenherz Gärtnerhof unabhängig vom internationalen Saatgutmarkt, der mit seinen Hybridsorten und der zunehmenden Konzentration auf einige wenige weltweit agierende Saatgutkonzerne die Souveränität der landwirtschaftlichen Betriebe und damit auch die Ernährungs-Souveränität bedroht. Überschüsse an Saatgut werden gegen eine Aufwandsentschädigung abgegeben.

 

Der Standort 

Nach einer mehrere Jahre währenden Unsicherheit bezüglich des Betriebsstandortes – wichtige Teile des bisher als Hauptstandort genutzten Pachtackers wurden in Bauland umgewidmet –  konnte im vergangenen Jahr mit der Unterstützung der GELA-Gemeinschaft ein neuer Betriebsstandort aufgebaut werden. Die Betriebinfrastruktur befindet sich nun auf Eigengrund, umgeben von angrenzenden Pachtflächen.

Der Standort des Ochsenherz Gärtnerhofs in Gänserndorf-Süd ist geprägt durch karge, schottrig-sandige Böden (mit weniger als 30 Bodenpunkten). Wichtig ist daher die Pflege des Bodens und die Gestaltung der Fruchtfolge, um eine Übernutzung zu vemeiden. Durch die Zupacht von zusätzlichen Ackerflächen im vergangenen Herbst ist nach längerem Suchen für den Betrieb gewährleistet, dass die Gemüseanbaufläche ein Drittel der Gesamtfläche nicht übersteigt und eine ausreichend weite Fruchtfolge gestaltet werden kann.

 

Das Gärtner*innen-Team

Das Gärtner*innenteam umfasst 12 dauerhaft im Betrieb beschäftigte Personen, die neben dem Gemüseanbau auch die eigene Jungpflanzenanzucht und die Saatgutvermehrungen bewerkstelligen. Das Team>>
Jungpflanzen und Saatgut werden auch ab Hof sowie am Wiener Nachmarkt verkauft, Saatgut kann darüber hinaus auch auf dem Postweg bezogen werden.  >>

 

Die Geschichte 

Der Ochsenherz Gärtnerhof wurde im Jahr 2002 neu gegründet – „auf die grüne Wiese“,  auf einen Pachtacker an der Hochwaldstraße in Gänserndorf-Süd. Genau genommen lag der Acker vis à vis der „Ökosiedlung Gärtnerhof“ und der damalige Betriebsname lautete „gärtnerhof vis à vis“,  – was sich damit von selbst erklärt.

Gegründet wurde er von Peter Laßnig, damals noch wohnhaft in der genannten Ökosiedlung, mit Unterstützung von Freunden, allen voran Stefan Beschorner und Thomas Chiari.

Die ursprüngliche Motivation war getragen von Ideen, die auch heute noch die Betriebsarbeit prägen:

  • der Ansporn, alles auszuprobieren, was in unserer Region gedeihen kann um eine vielfältige, abwechsungsreiche und reichhaltige Versorgung mit Gemüse bewerkstelligen zu können;
  • der Wunsch, samenfeste Sorten zu verwenden, um sie auch im Betrieb pflegen und weiterenwicken zu können,
  • die Priorität von Geschmack vor Hochertragsleistung,
  • die Ausrichtung, einen Personenkreis zu versorgen, zu dem auch persönliche Kontakte gepflegt werden können – im Gegensatz zu einer anonymen Produktion für den Großhandel,
  • die Bodenfruchtbarkeit aus eigenen Betriebsressourcen aufzubauen.

Anfänglich wurden die Ernteprodukte ab Hof verkauft, schon im ersten Betriebsjahr fiel aber die Entscheidung, zusätzlich auch auf den Naschmarkt nach Wien zu fahren, wo gerade an einem etwas abseits gelegenen Marktteil ein Bio-Bereich etabliert werden sollte.

Ausgehend von etwa 3000 m2 vis a visGemüseanbaufläche in der ersten Anbausaison vergrößerte sich die Anbaufläche in den folgenden Jahren Schritt für Schritt, MitarbeiterInnen kamen hinzu, ebenso neue Marktstandorte und -Termine. Die Nachfrage war immer größer als das Angebot, das Wachsen schien vorprogrammiert. Trotzdem stellte sich nach den ersten Jahren immer drängender die Frage, ob sich der Betrieb damit auf eine sichere wirtschaftliche Situation hinbewegen würde, oder ob die ebenfalls steigenden Ausgaben die Mehreinnahmen wettmachten. Es dauerte wohl zwei Jahre bis zunehmend klar wurde, dass letzteres des Fall war. Was also tun? Den Anbau auf wenige, besonders lukrative Kulturen einzuschränken? Oder neue Wege suchen  …. ?

In dieser Situation kamen wir mit dem Modell der Gemeinschafts-getragenen Landwirtschaft (Community Supported Agriculture, kurz CSA) in Berührung und erkannten schnell, dass das unser Weg sein würde: eine Gemeinschaft zu suchen, die diese Form von Landwirtschaft unterstützt, wie wir sie betreiben wollen; – die neue Wege des Wirtschaftens suchen und gestalten will. 2009 entstand ein kleiner Arbeitskreis, der Informationstreffen organisierte, ein Vortrag von Herrn Stränz vom Buschberghof, der ältesten CSA in Deutschland, gab uns wichtige Impulse und eine sich Ende 2009 formierende Arbeitsgruppe bereitete in einem einjährigen Prozeß die Neugestaltung von GELA-Ochsenherz vor.

Text: Peter Laßnig