Liebe Ernteteiler*innen!
womit lassen sich diese Nachrichten während des Sommerlochs füllen? Wahrscheinlich gab es deswegen in früheren Jahren immer viele Wettermeldungen im August, weil sonst vermeintlich nicht vieles auf der Welt passiert ist und Wetter irgendwie immer ‚passiert‘. Beides trifft nicht mehr zu, zumindest eindeutig nicht in diesem Sommer 2026.
Langsam nehme ich sehr wechselhafte Gemütszustände bezüglich der anhaltenden Dürre, Trockenheit und Hitze wahr, bei mir selbst und um mich herum. Von traurig-depressiven Verstimmungen, über zynischen Weltuntergangs-Schmäh, bis zu monotonen Alltags-Durchhalte-Gesichtern, die trotzdem immer wieder einen Grund zum Lachen finden, ist alles dabei. Und ehrlich gesagt: es ist verdammt anstrengend, die ganze Zeit über dieses Thema nachzudenken und wenn sich jede Meldung, jedes Gespräch damit befasst. Aber das ist ein elementarer Bestandteil von Betroffenheit. Wir suchen uns dieses Szenario nicht aus, wir erträumen uns andere Bedingungen, mit denen wir fähig wären zu arbeiten.
Jetzt ist der sonst so stets mitschwingende Optimismus im Team sehr verhalten oder hat sich gar ganz verabschiedet. Bis wir uns wieder darauf besinnen, jeden einzelnen Arbeitsschritt ganz ‚alltäglich‘ fortzusetzen, als wären wir gerade nicht ausgesetzt in einer Mondlandschaft, die in meinen Augen jegliche Ästhetik verloren hat. Es fehlt das frische, lebendige Grün und unsere Augen sind ganz müde davon. Letzt hat mir eine Person gesagt, dass wir ganz schön tapfer seien, wenn wir tagein tagaus hier am Feld arbeiten – und recht hat sie. Es braucht wirklich Durchhaltevermögen, um nicht einer allgemeinen Verzweiflung zu verfallen, die sich in der landwirtschaftlichen Branche breit macht. Doch als Solawi haben wir ein Trostpflaster, auch wenn es in der derzeitigen Lage vielleicht schwierig ist, dies als solches wahrzunehmen: wenn wir nicht mehr können, wenn die Erschöpfung zu groß ist, dürfen und müssen wir uns daran erinnern, dass wir uns Pausen gönnen, dass wir auf unseren Körper achten. Wir können, anders als eine Mehrzahl an landwirtschaftlichen Angestellten, auf ein Team zurückgreifen, dass verständnisvoll ist und in dem es keine*n Chef*in gibt, die uns 8h im Gewächshaus bei über 40 Grad oder am Feld in praller Sonne arbeiten lässt. Weil: das passiert in der österreichischen Landwirtschaft und findet sich nicht in den Nachrichten wieder. Die hohen Preise von Gurken interessieren da schon mehr, als die Personen, die sie in diesem Sommer ernten müssen.
Jetzt habe ich wenig zu dem geschrieben, was tatsächlich so passiert am Hof – aber die Sonne geht schon unter, ganz ohne Finsternis, und mein Rücken freut sich auf die Waagerechte Vielleicht trefft ihr ja mal wen von eurem liebsten Gärtner*innen-Team, dann wird auch ein bisschen aus dem Hof-Nähkästchen geplaudert, versprochen.
Solidarische Grüße,
Ulli
Genug:
Zucchini
Sommerportulak
Melanzani
Lauch
Blattamaranth
Rote Rübe
Malabarspinat
Karotte
Paradeiser
Ein wenig:
Kräuter:
Basilikum
Minze
Estragon
Pimpinelle
Petersilie
Blumen
Diese Woche gibt es 5 verschiedene Sorten Erdäpfel. Wir schicken zuerst die, die möglichst schnell verbraucht werden sollten, weil sie z.B. am Feld zum Schluss nicht mehr so viel Wasser bekommen haben und schon etwas weicher sind, oder weil sie einfach nicht so gut lagerfähig sind – also greift zu, sonst müssen wir sie nächste Woche noch einmal mitschicken ;). Es sind die drei Raritäten Wahou (vorwiegend festkochend), King Edward (v.f.), Heiderot (festkochend); außerdem die gelbe Santera (festkochend) und die rotschalige Laura (vorwiegend festkochend).
Es gibt wieder viele Schmorgurken diese Woche! Die Sorte „Salome“ eignet sich nämlich super für die vollreife Ernte. Dann hat sie eine braune, feste Schale mit Netzstruktur. Die Besonderheit ist, dass sie auch bei Vollreife nicht bitter wird. Sie eignet sich dann noch immer gut für den Frischverzehr (einfach schälen, wenn euch die Schale zu fest ist), kann aber auch sehr gut eingelegt oder geschmort und als Gemüsebeilage verwendet werden. Sie ist wirklich super, lasst euch von ihrem Äußeren nicht abschrecken, sondern probiert sie einfach mal roh, eingelegt oder gegart.
Bei den Karotten schicken wir diesmal die wunderschöne violettschalige Sorte „Soletta“, die aber innen orange ist und sehr süß. Lecker!
Gemüse der Woche ist der Sommerportulak: ein klassisches Wildgemüse, dessen junge Triebe knackig und leicht säuerlich-salzig sind. Am besten roh im Salat genießen, weil er beim Garen stark zusammenfällt und etwas schleimig wird. Hier noch ein schönes Wikipedia-Zitat zum Portulak, der auch seit Jahrhunderten bereits als Heilpflanze verwendet wird: „Tabernaemontanus empfiehlt 1588 in seinem New Kreuterbuch Portulak gegen den ‚Sod im Magen‘ und hält auch fest, dass der ‚Saft im Mund gehalten machet die wackelhafftige Zähne wiederum fest stehen‘. (https://de.wikipedia.org/wiki/Portulak)
Auch diese Woche gibt es viel Wassermelone. Diesmal die Sorte Crimson Sweet mit dunkelrosa Fruchtfleisch. Viele der Früchte sind sehr groß und eignen sich gut zum Zerteilen. Bringt euch auf jeden Fall Sackerl mit, die groß genug sind! 🙂
Wie immer gibt es auch viel Basilikum. Einmal vom Genoveser-Typ (1-2 Bünde pro Anteil), am besten für Pesto oder insalata caprese verwenden. Dann noch Zitronenbasilikum, das sich super für erfrischende Sommerdrinks eignet.
Rote Rübe die Woche mit Grün (wie Mangold verwenden) und in vier Farben: Die gelbe „Wintersonne“, die weiße „Blankoma“, die pink-weiß geringelte „Chioggia“ und verschiedene rote Sorten.
Die scharfen Paprika (Anthea) und die Chili, die wir diese Woche mitschicken, sind zum Teil schon sehr schrumpelig, da sie unter Hitze und Wassermangel leiden. Sie können aber auch so verwendet werden, da sie sich generell auch zum Trocknen bzw. grillen und weiterverarbeiten (z.B. in Ajvar) eignen.
Generell leidet das Gemüse sehr unter der extremen Hitze und Trockenheit. Wir geben unser Bestes beim Bewässern, aber auch da sind uns (und den Brunnen) Grenzen gesetzt. Wir hoffen, dass wir weiterhin gute Mengen ernten können, aber sicher sein können wir leider nicht.