Hofnachrichten

Woche 25

Liebe Ernteteiler*innen!

Diese Hofnachrichten gehen raus an alle Glashaus- oder Folientunnel-Gärtner*innen, die sich bei diesen Temperaturen ans Paradeiser und Gurken wickeln, ausgeizen, entblättern und ernten machen. Hätten wir noch ein altes Thermometer im Tunnel hängen, könnten wir der Temperatursäule beim Über-40°C-steigen zuschauen – auch die digitale Anzeige macht muntere Sprünge nach oben, während unsere Vitalität eher abnimmt. Vielleicht wäre hier der richtige Punkt, die Auswirkungen der Hitze auf die geliebten Fruchtgemüse-Pflanzen zu erläutern. Schließlich sind wir als Gärtner*innen auf diese Persepektive getrimmt: was hat xy für einen Einfluss auf das Wachstum, die Fruchtbildung, etc. der Pflanze? Aber es lohnt sich, anderen Blickwinkeln Raum zu geben, wie ich gestern abend bei einem Gespräch mit einem Freund mal wieder feststellen durfte. Er befasst sich wissenschaftlich mit Hitzestress in Gewächshäusern, doch ist die Brille, die er aufhat, eine soziologische und politische. Der Begriff „geschützter Anbau“, welcher genau für diesen kontrollierten Anbau in Gewächshäusern genutzt wird, verdient eine nähere Betrachtung, meinte er. Was genau wird geschützt, kontrolliert? Es wird versucht, Bedingungen für ein annähernd optimales Wachstum der Pflanzen zu schaffen. Automatisierte Wasservernebelung, Lüftungen, die bei zu starkem Wind schließen, Einsatz von kunststoffbasierter Beschattungsfarbe. Um nur ein paar Dinge aus großen Gwächshausanlagen zu benennen. Damit schließlich auch die notwendige Befruchtung der Blüten funktioniert, werden Hummelkästen aufgehängt – und wie der Freund mir erklärte, gäbe es inzwischen schon Hummelhäuser mit integriertem Ventilator, damit die Aktivität der Bestäuber nicht abnimmt. Was fällt da auf? Alles wird auf die Spitze optimiert, um dem Hitzestress zu begegnen. Nur bei Arbeiter*innen wird so lange mit Hitzeschutz-Vorkehrungen gewartet, bis es vielleicht eines Tages straffällig wird, diese nicht nur für die Pflanzen, sondern auch für die Menschen, die sie pflegen und beernten, zu treffen. Geschützter Anbau? Die Ernte-Produkte, nicht die Ernte-Arbeiter*innen werden geschützt. Es gibt sie seit heuer eh: die Hitzeschutzverordnung. Doch wer kontrolliert, ob Maßnahmen (Abkühlungsräume, verkürzte Arbeitszeiten,..) eingeführt werden und wo kommt das Geld her, um dies überhaupt Landwirt*innen zu ermöglichen?
Diese Fragen habe ich heut morgen mit in den Tunnel beim Gurken-Wickeln genommen. Zwischendurch schoss mir immer wieder der Befehl auf dem Bewässerungs-Computer durch den Kopf: WATERNOW. Hätte ich auch gern. So einen Knopf, den ich immer und überall drücken kann und plötzlich stehen wir im kühlen Sprühnebel.

Für heute ist die Arbeit im Tunnel geschafft, ein Glück. Vielleicht weht ja draußen am Feld ein laues Lüftchen, wir werden sehen.

Solidarische Grüße,
ulli

P.S. Auf dem Bild seht ihr ein traumhaftes, nahezu göttliches göttliches Arrangement. Mantis religiosa auf ribes uva-crispa, die Gottesanbeterin als posierendes Model auf unserer Lieblingsbeere der Woche, der Stachelbeere.

Die letzten Wochen ist recht viel Gemüse übrig geblieben. Es ist Zeit aus dem Vollen zu Schöpfen!

Das Gemüse der Woche ist: Erdäpfel. Wir haben die ersten Frühkartoffeln geerntet. Diese haben eine besonders dünne Schale und eignen sich daher besonders gut als Pellkartoffeln. Mehr Infos zum Gemüse der Woche findet ihr wie immer im Newsletter.

Der Mangold ist teilweise etwas verlaust. Gut waschen wird empfohlen!

Es gibt wieder Jungpflanzen, die vom Verkauf übrig geblieben sind. Ab jetzt sind diese zur freien Entnahme.