Liebe Ernteteiler*innen,
Es hat geregnet! Endlich… Gestern Morgen ein wenig, heute Morgen ein wenig mehr aber immer noch wenig. Der allseits bekannte Tropfen auf den heißen Stein. Und so fühlt es sich dann auch an, denn zu der Trockenheit gesellt sich die nunmehr 2. Hitzewelle.
Was zunächst ein wenig Abkühlung verschafft und uns alle mal für eine Sekunde durchatmen lässt, entwickelt sich dann im Laufe des Tages zu einer schwülen Hitze.
Kleines Update vom Acker:
Temperatur: Nach einem Arbeitstag bei fast 40 ℃ Draußen, im Tunnel noch mehr. Manche Pflanzen können diese Temperaturen aushalten, andere nicht so gut. Zum Beispiel Rote Bete und Mangold lassen alle Blätter hängen und wachsen nicht weiter, auch wenn durch die Bewässerung genügend Wasser vorhanden ist. Ich sage gerne, dass es weh tut dem Gemüse beim Rückwärtswachsen zuzusehen.
Trockenheit: Es ist weiterhin unwahrscheinlich Trocken. Bis Stand heute hatten wir etwa 160 mm Niederschlag seit 1. Januar, im langjährigen Mittel sind es 280 mm. Das heißt, aktuell fehlen 120 mm. Das betrifft nicht nur uns und die Pflanzen, sondern auch die Grundwasserneubildung. Irgendwann werden auch die Brunnen leerer. Wir rennen, damit wir einigermaßen ausreichend Wasser zu den Pflanzen bekommen… Und manchmal kommen wir leider auch zu spät.
Schädlinge: Die Trockenheit bringt auch Insekten unter Druck. So erleben wir neben den normalen Schädlingen wie etwa den Kartoffelkäfern oder den Läusen und Milben einen deutlichen höheren Druck durch andere Insekten, ob stechend oder saugend. Teilweise sehen wir Schäden und können es gar nicht sagen, wer dafür verantwortlich ist. Die Tiere haben Durst, und selbst wenn sie unter normalen Bedingungen keinen Schaden verursachen würden, so tun sie es nun doch. Dabei gibt es offensichtliche Schäden wie Fraß oder Stiche und Bohrungen, die erstmal nur optischen Schaden machen und aber auch eher zu Fäulnis neigen. Andererseits sind die Insekten auch sogenannte Vektoren, was bedeutet, dass sie Krankheiten (primär Bakterien und Viren) übertragen können. Auch das erleben wir leider gerade im Tunnel bei den Gurken.
Im Freiland macht uns gerade der Erdfloh massiv zu schaffen. Dieser liebt alle Kohlgewächse. Ein Anbau ohne Netze ist nicht denkbar, auch wenn es jeden weiteren Arbeitsschritt massiv erschwert… aufdecken … hacken… zu machen… bewässern… und von vorne. Gerade sitzen sie auf den Netzen und saugen sogar durch die kleinen Öffnungen durch. Beim Brokkoli und Blumenkohl ist das Netz zu grob, da kommen sie sogar hindurch und der Schaden steigt ins unermessliche. Leider haben wir nicht ausreichend Netze mit den richtigen Maschenweiten und den richtigen Maßen, um alle unsere Kohle gut zu schützen.
Es fällt gerade nicht so leicht, bei all den Herausforderungen den Überblick zu bewahren und vor allem auch auf die eigenen Kräfte zu achten. Manches, einiges, können wir beeinflussen, anderes eher nicht. Die Hitze setzt uns ordentlich zu, das ist nicht nur der matschige Schädel nach einem langen Arbeitstag, oft ist auch das Immunsystem so angestrengt so dass auch uns die Erkältungswelle im Sommer nicht verschont hat.
Bei all den Anstrengungen gibt es Lichtblicke: Nach und nach können wir nun alle mal Urlaub machen und uns zumindest ein bisschen erholen. Viele Kulturen stehen gut da.
Ich freue mich schon riesig auf die verschiedenen Melonen, einige Tennis- und viele Tischtennisbälle hängen schon dran. Die Kürbisse wuchern, der Mais wächst und blüht, wunderschöne erste Karotten dank des Engagements unserer saisonalen Hilfe (DANKE Jan!) Zwiebeln sind bald fertig. Die Kartoffel (Lea) ist schön und durchschnittlich recht groß.
Nach all den Strapazen und langen Tagen ist es schön, die ersten Kulturen für das Lager zu ernten. Die sprichwörtlichen Früchte der Arbeit zu ernten. Das tut gut!
(Disclaimer: Bauern meckern immer und vor allem übers Wetter: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld!)
In diesem Sinne
Johannes
Viel:
Genug:
Paradeiser
Gurken
Knoblauch
Zwiebel
Lauch
Mangold
Karotte
Neuseeländerspinat
Winterheckenzwiebel
Erdäpfel, speckig
Blumen (stellt euch einen eigenen Blumenstrauss zusammen aus: Strohblume, Strandflieder, Schleierkraut, Trommelstock)!
Kräuter:
Drachenkopf
Rosmarin
Schnittlauch
Dill
Schnittknoblauch
Minze
Za’atar
Bergbohnenkraut
Basilikum
Petersilie
Zitronenmelisse
Estragon
Speik-Lavendel
Auch diese Woche gibt es wieder viele Kräuter. Manchmal ist es je Sorte nur eine kleinere Menge, aber alle Kräuter wollen jetzt laufend beerntet werden, damit sie nicht gleich in Blüte gehen.
Es sind auch wieder ein paar Neuheiten dabei, die wir versuchsweise anbauen, und von denen ihr eine kleine Probiermenge mitnehmen könnt. Diese Woche z.B: Quilquiña, auch Bolivianischer Koriander genannt, wird in Mexiko und Südamerika gern zum Würzen von Salsas und Chilipasten verwendet – probiert doch mal eine Salsa aus Paradeisern, Knoblauch, Salz und etwas Quilquiña. Auch Huacatay ist ein in Südamerika beliebtes Küchenkraut, das stark duftet und u.a. zum Marinieren von Fleisch, zum Würzen von Saucen und zur Herstellung von Pesto verwendet wird.
Außerdem schicken wir Za’atar mit, auch Syrischer Majoran oder Syrischer Ysop genannt. Za’atar ist die Hauptzutat für die gleichnamige Gewürzmischung, deren weitere Bestandteile gerösteter Sesam, Sumach und Salz sind – sehr lecker!
Das Gemüse der Woche ist: Eiskraut, auch Kristall-Mittagsblume genannt (aus der Familie der Mittagsblumengewächse), ist über und über mit kleinen glasigen Papillen besetzt, die wie Kristalle aussehen und dem Kraut seinen Namen geben. Es ist knackig-frisch, schmeckt ein wenig salzig und eignet sich super für Salate, z.B. gemeinsam mit Gurke und Paradeisern. Blätter, Blüten und die jungen Blattstiele können verzehrt werden, solang sie noch nicht holzig sind. Das Eiskraut ist sehr hitze- und trockenheitstolerant und deshalb ein wunderbares Sommergemüse.
Die Salate dagegen haben leider die Hitze und Trockenheit sehr schlecht vertragen. Beim letzten Satz, der die volle Hitzewelle mitbekommen hat, gab es fast einen Totalausfall. Entweder sind die Pflanzen nur sehr langsam gewachsen, oder sie haben aufgrund von Calciummangel durch ungleichmäßige Wasserversorgung angefangen zu „randen“ – auch „Innenbrand“ genannt. Hierbei werden im Inneren des Salatkopfs die Blattränder braun und sterben ab, im Anschluss kommt es schnell zu Fäulnis, und der Salat kann nach kurzer Zeit nicht mehr verwendet werden.
Der nächste Satz schaut besser aus, ist aber noch recht klein. Deshalb wird es erst einmal eine kleine Salatpause geben (wie fast jeden Sommer), bevor es dann bei hoffentlich kühleren Temperaturen auch den Salatpflanzen wieder besser geht.
Es gibt weiterhin vieeeeel Zucchini! Deckt euch ein! Das Gemüse kann sehr vielseitig verkocht, verbacken und eingemacht werden!
Diese Woche gibt es bereits etwas mehr Paradeiser und Gurken, letztere sowohl aus dem Folientunnel als auch aus aus dem Freiland (Zitronengurke und kleinere Snackgurken).
Es gibt wieder Blumen: Stellt euch einen eigenen Blumenstrauss zusammen aus: Strohblume, Strandflieder und Trommelstock eignen sich auch hervorragend zum Trocknen. Einfach den Strauß in trockener, warmer Umgebung einige Tage kopfüber aufhängen.
Wir haben auch Färberdistel angebaut und ein paar mitgeschickt, sie sind allerdings in Blütennähe sehr stachelig! Also eher vorsichtig herausnehmen und transportieren…